Keine Chance für Loverboys

 

 

Plötzlich klingelte es an der Tür und Leas Mutter, die nicht besonders gut auf ihn zu sprechen war, ließ David herein und sagte Lea nur in einem unmotivierten Ton Bescheid, dass David sie zur Schule begleiten möchte. Wie aufdringlich, dachte Lea. Gleichzeitig war sie aber auch überrascht und erhoffte sich natürlich eine Entschuldigung von ihm. Dann würde alles wieder gut werden.

 

Sie stieg in Davids Auto ein. David wollte mit ihr reden, gestern sei alles aus dem Ruder gelaufen. Lea war erfreut darüber, dass ihr Freund so einsichtig war. An der Schule jedoch fuhren sie vorbei. „Ich dachte, du bringst mich zur Schule, David?“ „Ja, gleich.“ sagte er. „Erst sollten wir in Ruhe in meine WG fahren und uns noch einmal unterhalten.“ Lea gab keine Widerworte, denn auch ihr war es wichtiger das Problem mit David zu klären, als pünktlich in die Schule zu kommen.

Als sie in die Wohnung kamen, saßen auch seine rauchenden Mitbewohner am Küchentisch.

 

Lea fragt sich, wieso sie nicht mit David unter vier Augen reden kann. Wusste er etwa nicht, dass die Jungs auch da sein würden? Einer von Davids WG Mitgliedern fing an: „Hör mal, Lea, David hat uns erzählt, was los ist und wir sind uns einig, dass die ganze Sache doch halb so wild ist.“ Lea schaute David fragend an, welcher sie mit einem seiner süßesten Blicke anschaute und sagte: „Wir haben doch immer von dem Urlaub in Spanien gesprochen, den können wir uns so endlich leisten und sowieso alles, was du dir wünschst.“

 

Lea fiel es auf einmal wie Schuppen von den Augen – diese „Idee“ schien nicht erst seit gestern zu bestehen und die Jungs wussten schon lange Bescheid. Sie fühlte sich auf einmal wie angegafft, wie ein scheiss Bürostuhl im Möbelgeschäft, bereit für den Verkauf.

 

Nicht nur die Mitbewohner, sondern auch David wirkten als wäre dies ein Geschäftsmeeting oder so ein Quatsch. Plötzlich überkam sie die Angst, das Ganze sei schon seit dem ersten Tag geplant gewesen – ihr wurde fürchterlich schlecht.

„Ich geh mal kurz ins Bad“ sagte sie.

 

Sie verschloss die Tür und sackte auf den Boden,  mit dem Rücken an die Tür gelehnt.

 

All die schrecklichen Gedanken von gestern Abend kamen wieder in ihr hoch – aber das konnte doch alles nicht wahr sein, er liebte sie doch, oder nicht? Kann man Liebe vortäuschen?

 

Ruckartig lehnte sie sich vor und übergab sich. Einer der Jungs hämmerte an die Tür und fragte, ob er reinkommen soll. Sie wischte sich den Mund ab und schrie, er solle bloß draußen bleiben!

 

Es wurde stark an der Tür gerüttelt. Lea zitterte und schwitzte fürchterlich vor Angst.

 

Dann war da ein anderes Geräusch. Es hatte an der Wohnungstür geklingelt und Lea hörte wie geöffnet wurde. Sie erkannte die Stimme von Daniel, der sich erkundigte, ob Lea da sei, da sie nicht in der Schule erschienen sei. David wollte ihn schnell loswerden und sagte ihm, Lea sei nicht hier. Aber Daniel entdeckte Leas Rucksack. Die Stimmen wurden immer lauter. Lea ergriff die Chance und sprang auf, stieß einen von Davids Mitbewohner gegen den Flurspiegel und rannte zu Daniel. Sie nahm seinen Arm und verschwand auf der Stelle.

 

Vielen jungen Mädchen erging es bisher schon wie Lea. Doch nicht alle hatten das Glück, rechtzeitig aus den Fängen der Loverboys zu entkommen. Mit einer ganz klaren Masche versuchen Loverboys, die Mädchen erst für sich zu gewinnen, von der Familie und den Freunden abzuschotten und dann langsam in die Prostitution zu drängen. Das Motiv: Geld. Die Ausmaße reichen von kleinen Kreisen, bis hin zu großen Prostitutionsringen.

 

Niemand sollte sich von Freunden und Familie trennen müssen. Niemand sollte zum Sex gezwungen werden. KEINE CHANCE für Loverboys.

Die Story als Download:

KEINE CHANCE FÜR LOVERBOYS     © Frauen-Notruf Münster, 2015